Friedrichshafen – Für viele beginnt Klettern mit dem Griff an die Wand, dem Einhängen ins Seil und dem ersten Schritt nach oben. Doch nicht für alle sind diese Dinge selbstverständlich. Manchmal entscheidet schon der Zugang zur Halle darüber, ob Teilhabe möglich ist. An anderer Stelle werden Sicherungssysteme, Routen, bauliche Voraussetzungen oder Kommunikation zur Hürde. „Inklusion bedeutet für uns, Kletter- und Boulderhallen so zu gestalten, dass sich möglichst viele Menschen willkommen fühlen und teilhaben können. Davon profitieren nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern letztlich alle Besucherinnen und Besucher“, sagt Anja Pinzel vom Deutschen Alpenverein (DAV). Noch gebe es jedoch Hürden, etwa bei Zugängen, Angeboten oder der Gestaltung von Routen. „Umso wichtiger ist es, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam konkrete Lösungen zu entwickeln.“ Genau dafür schafft die Vertical Pro am 13. und 14. November 2026 in Friedrichshafen verstärkt Raum. „Gemeinsam mit dem DAV und dem Verein ‚Ich will da rauf e.V.‘ setzen wir im Begleitprogramm bewusst einen Schwerpunkt auf inklusives Klettern. Dabei wollen wir nicht nur über bestehende Barrieren sprechen, sondern vor allem konkrete Lösungsansätze für den Hallenalltag zeigen“, betont Projektleiterin Sharon Bareth.
Die sechste Ausgabe der Fachmesse bringt rund 200 ausstellende Unternehmen aus den Bereichen Kletter- und Boulderhallen, Hoch- und Waldseilgärten, Seilzugangstechnik, Höhenarbeit, Arbeitssicherheit und Höhenrettung zusammen.
Klettern inklusiver denken
Wie Inklusion in der Praxis aussehen kann, zeigt der Deutsche Alpenverein mit mehreren Beiträgen. Judith Lattner, Anja Pinzel und Julius Kerscher stellen unter anderem Sicherungsautomaten mit Unterstützungsfunktion sowie Klettergriffe für den inklusiven Routenbau vor. Ein weiterer Beitrag richtet den Blick darauf, welche Impulse inklusive Angebote auch für den Betrieb von Kletterhallen geben können.
Auch der Verein „Ich will da rauf e.V.“ bringt seine Erfahrungen aus der inklusiven Kletterarbeit ein und stellt in einem Vortrag sein Inklusionskonzept vor. Ergänzend nimmt ein anwendungsnaher Workshop Besucherinnen und Besucher mit auf die Suche nach Barrieren im Kletterhallen-Alltag und zeigt, wie diese abgebaut werden können. Dabei geht es nicht nur um Zugänge, bauliche Voraussetzungen und geeignete Hilfsmittel, sondern auch um weniger sichtbare Hürden wie Unsicherheiten oder fehlendes Wissen im Umgang mit Inklusion und Behinderung. Dass es dabei um weit mehr als einzelne Anpassungen geht, macht Katharina Glögl von „Ich will da rauf e.V.“ deutlich: „Klettern bietet wie kaum eine andere Sportart die Möglichkeit, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam aktiv sein können. Inklusion bedeutet für uns deshalb, Klettern von Anfang an so zu denken, dass alle teilnehmen können.“ Gerade Kletterhallen seien dafür entscheidende Orte der Begegnung. „Die Vertical Pro bietet die Chance, über bestehende Barrieren zu sprechen und zu zeigen: Inklusion ist kein Sonderthema, sondern eine Chance, den Klettersport gemeinsam weiterzuentwickeln – hin zu einem Sport für alle.“
Praxis aus unterschiedlichen Höhenwelten
Über den Kletter- und Bouldersport hinaus spannt die Vertical Pro den Bogen zu den weiteren Bereichen der Höhenbranche. In den umfangreichen Demo + Test Areas werden Ausrüstung, Sicherungssysteme und Arbeitsweisen unter praxisnahen Bedingungen gezeigt und getestet. Dafür entstehen auf der Messe vielfältige Trainings- und Einsatzumgebungen – vom Boulderblock, Kletterbaum über Plattform inklusive Leiter, Schacht und Kletterwand, Trussing bis hin zum Containerturm. So lassen sich Anwendungen aus Bereichen wie Klettersport, Höhenrettung, Baumpflege oder professioneller Höhenarbeit direkt vor Ort demonstrieren.
Auch im weiteren Begleitprogramm treffen die verschiedenen Höhenwelten aufeinander. Neu ist das Expert Forum, das ausstellenden Unternehmen eine Bühne bietet, um Fachwissen, Produkte und konkrete Lösungen vorzustellen und darüber mit Experten und Branchenpartnern ins Gespräch zu kommen. Die Networking-Plattform Women at Height, der Science + Research Hub, die Future Wall und der Jobmarket ergänzen das umfassende Rahmenprogramm aus Vorträgen, Workshops und Live-Demonstrationen.
Weitere Infos und Öffnungszeiten
Die Vertical Pro findet am 13. und 14. November 2026 in Friedrichshafen statt. Sie hat am Freitag von 9 bis 18 Uhr und am Samstag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Das Parken ist kostenlos, Campingmöglichkeiten sind vorhanden.
Vertical Pro Homepage: www.vertical-pro.de
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